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Visualisierung der beiden Bemessungsgrundlagen Vollstrom und Teilstrom

Regenwasserbehandlung: Vollstrom- oder Teilstrombehandlung?

Niederschlagswasser von versiegelten Flächen wie Straßen oder Parkplätzen kann Schadstoffe wie Öle, Schwermetalle, Reifenabrieb oder Feinpartikel enthalten. Bevor es versickert oder in Gewässer eingeleitet wird, muss es daher häufig behandelt werden.

Welche Art der Regenwasserbehandlung erforderlich ist, hängt unter anderem vom Einleitpfad und der Belastung der Fläche ab. In den geltenden Regelwerken ist festgelegt, ob der gesamte Abfluss im Rahmen einer Vollstrombehandlung oder nur ein Teil davon (Teilstrombehandlung) über eine Behandlungsanlage geführt werden muss.

Vollstrom- oder Teilstrombehandlung – wann welches Verfahren?

Vollstrom- und Teilstrombehandlung bilden die zentrale Grundlage für die Auslegung von Anlagen zur Regenwasserbehandlung. Beide Verfahren unterscheiden sich darin, wie viel des anfallenden Niederschlagswassers über eine Behandlungsanlage geführt wird.

Die Wahl des geeigneten Verfahrens hängt insbesondere davon ab,

  • wohin das gereinigte Wasser eingeleitet wird (Grundwasser oder Oberflächengewässer),
  • welche wasserrechtlichen Anforderungen gelten und
  • welche hydraulischen Belastungen auftreten.

Die Bemessung der Anlagen orientiert sich an den Vorgaben der DWA-A 102 und DWA-M 179, die Kriterien zur Wirksamkeit, hydraulischen Auslegung und zur Minderung der Schadstoffjahresfracht definieren.

Vollstrombehandlung: Grundlagen und Einsatzbereiche

DRAINFIX CLEAN System für die Vollstrombehandlung

Die Vollstrombehandlung beschreibt die vollständige Reinigung des gesamten anfallenden Niederschlagswasserabflusses. Dabei wird der gesamte Zufluss über die Behandlungsanlage geführt, ohne dass eine hydraulische Aufteilung oder Entlastung erfolgt. Das behandelte Wasser wird anschließend beispielsweise versickert, in ein Gewässer eingeleitet oder in die Kanalisation abgeführt.

Dieses Verfahren stellt sicher, dass der gesamte Abfluss unabhängig von der Niederschlagsintensität behandelt wird. Dadurch können Schadstoffe zuverlässig zurückgehalten werden, bevor das Wasser in den natürlichen Wasserkreislauf gelangt.

Einsatzbereiche

Eine Vollstrombehandlung ist insbesondere erforderlich, wenn hohe Anforderungen an die Wasserqualität bestehen.

Typische Einsatzfälle sind:

  • Einleitung in das Grundwasser (Versickerung)
  • Flächen mit hoher Schadstoffbelastung
  • Situationen, in denen kein Überlauf zulässig ist

Normative Grundlagen

Wasserhaushaltsgesetz (WHG)

Das Wasserhaushaltsgesetz definiert den Straßenabfluss als Abfluss, den es nach dem Stand der Technik zu behandeln gilt, um dem Verschlechterungsverbot der Wasserrahmenrichtlinie ausreichend Rechnung zu tragen. Gemäß WHG § 54 (1) ist Abwasser „das von Niederschlägen aus dem Bereich von bebauten oder befestigten Flächen gesammelt abfließende Wasser (Niederschlagswasser)“.

 

DWA-A 138-1

Im Regelwerk DWA-A 138-1‚ Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser – Teil 1: Planung, Bau Betrieb‘ sind die Anforderungen an die Niederschlagswasserbehandlung bei Versickerung beschrieben.
Für dezentrale Behandlungsanlagen sind neben den erforderlichen Wirkungsgraden für abfiltrierbare Stoffe (AFS) und gelöste Stoffe (Schwermetalle Zink und Kupfer) die Bemessungsgrundlagen für die hydraulische Leistungsfähigkeit festgesetzt. Größere Zuflüsse müssen reguliert werden beispielsweise durch Rückstau auf angrenzende Flächen, einem vorgeschalteten Speicherraum oder einem Notüberlauf in die Kanalisation. Grundsätzlich darf Niederschlagswasser von Verkehrs- oder Betriebsflächen nicht unbehandelt versickern.

Teilstrombehandlung: Grundlagen und Einsatzbereiche

DRAINFIX CLEAN System zur Teilstrombehandlung

Die Teilstrombehandlung beschreibt ein Verfahren, bei dem nur ein definierter Teil des Regenwassers über die Behandlungsanlage gereinigt wird. Der überschüssige Anteil wird über eine Überlaufvorrichtung abgeleitet.

Nach diesem Prinzip fließt der Niederschlagsabfluss bei üblichen Regenereignissen durch die Filterrinne (‚First Flush‘). Erst bei langanhaltendem Regen oder Starkregen staut sich das Wasser in der Rinne und gelangt in den Überlauf. Das überlaufende Wasser weist aufgrund der Verdünnung nur eine geringe Schadstoffkonzentration auf, während der stärker belastete Teil weiterhin über die Behandlungsanlage gereinigt wird.

Einsatzbereiche

Die Regenwasserbehandlung im Teilstromverfahren kommt zum Beispiel bei der Einleitung in Oberflächengewässer zur Anwendung. Bei der Einleitung ins Grundwasser ist sie nach dem Regelwerk der DWA-A 138-1 nicht zulässig.

Weitere typische Einsatzfälle sind:

  • größere befestigte Flächen mit wechselnden Niederschlagsintensitäten
  • dezentrale Regenwasserbehandlungsanlagen mit Zuflussbegrenzung

Normative Grundlagen

Trennerlass NRW

Der Runderlass des Ministeriums für Umwelt NRW vom 26.05.2004 mit dem Titel „Anforderungen an die Niederschlagsentwässerung im Trennverfahren“ (Trennerlass) regelt bereits verbindlich das Trennverfahren bei der Regenwasserbehandlung mit dem Ziel eine grenzwertgerechte Ableitung von Regenwasser sicherzustellen.

 

DWA-A 102-2

Im Regelwerk DWA-A 102-2 „Grundsätze zur Bewirtschaftung und Behandlung von Regenwetterabflüssen zur Einleitung in Oberflächengewässer – Teil 2: Emissionsbezogene Bewertungen und Regelungen“ werden die Behandlungsmaßnahmen hinsichtlich Wirksamkeit und Anwendungsbereich, sowie Bemessungsansätze für Behandlungsanlagen beschrieben.

In der Fassung vom Dezember 2020 ist die Teilstrombehandlung hier erstmalig erwähnt bzw. grundsätzlich möglich. Derartige Behandlungsanlagen mit Zuflussbegrenzung werden hydraulisch nach der kritischen Regenspende rkrit ausgelegt. Die kritische Regenspende beschreibt die Niederschlagsintensität, bis zu der der gesamte Abfluss über die Behandlungsanlage geführt wird. Eine ausführliche Erklärung finden Sie im FAQ-Bereich dieser Seite.

Bei zentralen Behandlungsanlagen hat sich 15 l/(s*ha) als kritische Regenspende bewährt. Bei dezentralen Anlagen (wie es zum Beispiel die Filterrinne DRAINFIX CLEAN ist) können ggf. auch kleinere Werte für rkrit angesetzt werden, sofern diese einen hohen Wirkungsgrad besitzen und die erforderliche Minderung der in das Gewässer eingeleiteten Jahresfracht erzielt wird.

Bei der hydraulischen Bemessung von Regenwasserbehandlungsanlagen mit Zuflussbegrenzung und offenen Überläufen empfehlen wir, mit einem Sicherheitszuschlag von 30 % zu rechnen. Dies entspricht dann einem Bemessungswert von 20 l/(s·ha).

 

DWA-M 179-1 GD

„Dezentrale Anlagen zur Niederschlagswasserbehandlung – Teil 1: Allgemeines sowie Einleitung ins Oberflächengewässer“
Dieses Merkblatt enthält Empfehlungen zur Dimensionierung und zum Betrieb von Anlagen vor der Einleitung in Oberflächengewässer. Zudem beschreibt es die anrechenbare Leistungsfähigkeit solcher Anlagen.

Regelungen:

  • Bei der Behandlung von Teilströmen (und Vollströmen) darf die Anschlussfläche nicht kleiner als 1 % sein, selbst wenn der hydraulische Wirkungsgrad rechnerisch ausreichen würde. Kleinere Anschlussflächenverhältnisse sind aus betrieblichen Gründen zu vermeiden (z. B. erhöhter Wartungsaufwand).
  • Für die Bemessung einer Teilstrombehandlungsanlage zur Sicherstellung des erforderlichen hydraulischen Wirkungsgrades gilt:
    Ein Wirkungsgrad von 95 % wird erreicht, wenn

    • die Filtrationsgeschwindigkeit 2,5 m/h nicht überschreitet,
    • eine mittlere Filterhöhe von mindestens 20 cm vorhanden ist und
    • ein Anschlussflächenverhältnis von mindestens 1 % eingehalten wird.

HAURATON Lösungen Regenwasserbehandlung

Für die Umsetzung der Regenwasserbehandlung stehen verschiedene technische Lösungen zur Verfügung. Systeme wie die Filterrinne DRAINFIX CLEAN ermöglichen eine dezentrale, regelkonforme Behandlung von Niederschlagswasser sowohl im Vollstrom- als auch im Teilstrombetrieb.

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          FAQ

          Häufige Fragen und deren Antworten zu Vollstrom- und Teilstrombehandlung

          • Bei der Vollstrombehandlung wird der gesamte Niederschlagswasserabfluss über die Behandlungsanlage geführt. Bei der Teilstrombehandlung wird nur ein definierter Anteil des Abflusses behandelt, während überschüssiges Wasser bei höheren Niederschlagsintensitäten über einen Überlauf abgeleitet wird.

          • Eine Vollstrombehandlung ist insbesondere erforderlich, wenn hohe Anforderungen an die Wasserqualität bestehen, etwa bei der Einleitung in das Grundwasser. In diesen Fällen muss der gesamte anfallende Niederschlagswasserabfluss über eine Behandlungsanlage geführt werden.

          • Bei der Versickerung gelangt das Wasser direkt in das Grundwasser. Um den Eintrag von Schadstoffen zu vermeiden, muss der gesamte Abfluss behandelt werden. Eine Teilstrombehandlung mit Überlauf ist in diesen Fällen nach dem Regelwerk der DWA-A 138-1 nicht zulässig.

          • Der Hintergrund ist das sogenannte First-Flush-Prinzip. Bei Regenereignissen enthält der erste Teil des abfließenden Regenwassers die höchste Schadstoffkonzentration. Dieser stärker belastete Abfluss wird gezielt über die Behandlungsanlage geführt.

            Bei länger anhaltendem Regen oder Starkregen kommt es zu einer Verwässerung der Schadstoffe, sodass die späteren Abflussanteile deutlich geringere Konzentrationen aufweisen. In diesem Fall wird der überschüssige Anteil über einen Überlauf abgeleitet, während der stärker belastete Anteil weiterhin gereinigt wird.

          • Die kritische Regenspende (rkrit) bezeichnet die Niederschlagsintensität, bis zu der der anfallende Regenwasserabfluss vollständig über eine Regenwasserbehandlungsanlage geführt und behandelt wird. Sie dient als maßgebender Bemessungswert für die hydraulische Auslegung solcher Anlagen. Wird diese Niederschlagsintensität überschritten, kann das zusätzlich anfallende Wasser über einen Überlauf ungereinigt in das Gewässer abgeleitet werden.

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